Wenn Rap schultauglich wird – Die Lyrik in Rapsongs

Ich weiss ja nicht, wie es mit euch aussieht, aber ich bin ein Rap-Fanatiker – sei es nun auf Schweizerdeutsch, Hochdeutsch oder Englisch. Diese Einstellung hatte ich bereits, als ich noch in die Kantonsschule ging. Eines Tages hatten wir im Deutschunterricht die Chance, einen Song als modernes Lyrikbeispiel mitzubringen. Mein Kumpel und ich zögerten nicht lange und präsentierten „Mein Gott hat den Längsten“ von Alligatoah. (Im Nachhinein vielleicht nicht die beste Wahl, um den Leuten Rap schmackhaft zu machen) #penislines

Wir mussten von unserem Lehrer zu hören bekommen, dass das doch gar keine richtigen Reime seien. Die Märtyrer/Mehrtürer wie Mercedes Benz-Bar hatte auch nicht den Einfluss, den wir uns erhofft hatten. Mir wurde dermassen vor den Kopf gestossen, dass ich kurzerhand beschloss, meine Maturarbeit diesem Thema zu widmen. Genauer war es mein Ziel, durch den Vergleich zwischen Lyrik und Deutschrap aufzuzeigen, dass Rap als Kunstform zählen sollte. Folgendes kam zusammengefasst dabei heraus:

Ganz viele Reimformen ergeben sich durch die unterschiedliche Platzierung der Reime in den Zeilen.

Allerdings ist Reim nicht immer gleich Reim. In der Lyrik gibt es drei Reimformen, die sich stark voneinander unterscheiden und beinahe alle Reim-Arten abdecken. Das wären der Endreim, die Assonanz und die Alliteration.

Beim Endreim ist die Endsilbe der Wörter identisch: Haus // Maus

Bei der Assonanz werden die Vokale der Endsilben gleich betont: beklagen // verschlafen

Bei der Alliteration sind die Anfangsbuchstaben gleich: Fischers Fritz fischt frische Fische

Alleine so ein simpler, kurzer Track wie die 1000 Bars von Eko Fresh decken alle diese Reimformen ab.

(Auch wenn er im Part mit den Alliterationen das Alphabet falsch durchgeht)

Mein Lehrer hatte also unrecht, im Rap sind sehr wohl Reime zu finden. Nur sind es oftmals keine Endreime, sondern Assonanzen. Während diese Reimform weniger sauber klingt, besteht allerdings der ungeschriebene Kodex im Deutschrap, dass ein Reim, der nicht gerade übelst wack ist, mindestens dreisilbig sein muss. Das erhöht das Niveau an lyrischem Anspruch im Sprechgesang, chooo! Ausserdem werden viele Raptexte mit Spits und Wie-Vergleiche verziert.

Ein Spit ist ein Reim, bei dem mehrere Silben identisch klingen, der Sinn aber ein anderer ist: „(…) Oder ich komm in den Club mit zwanzig Türken //

Doch wir zahlen nichts, weil uns die Leute an der Tür kenn'“ Farid Bang – Bitte Spitte 5000

Ein Wie-Vergleich ist ein Wortspiel. Bei diesem Vergleich wird auf etwas verwiesen, das nur Sinn durch eine Doppeldeutigkeit ergibt – Quasi ein Spit auf einer Zeile: „Für die Schuhe wurden so einige Alligatore/A-Liga-Tore geschossen, wie für die Meisterschale“ Kollegah – Business Paris

Diese Textraffinessen fand ich in den Lyrikbüchern nicht explizit beschrieben.

 

Fazit: Mein Lehrer hatte unrecht und Rap ist dope, ya bish!

Alleine anhand der Reime gäbe es genügend Gründe, weswegen Rap einer Kunstform entsprechen würde. Nur leider kann dieser Lehrperson nicht mehr meine Ergebnisse in’s Gesicht drücken. Aber vielleicht gibt es ja einen Schüler, der diesen Text liest und die Welt ein Stückchen besser für mich machen kann.

 

 

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